Endlich mal wieder in der Stadt, in der ich mich zu Hause fühle. Es regnet und Abdullah, der Taxifahrer, schimpft auf das Wetter und über die zwei Stunden, die er am Flughafen warten musste. Schimpft über den vorigen Gast und die Fußballergebnisse. Woher er den komme, frage ich, beeindruckt von seiner Schimpf-Leidenschaft. “Aus Damaskus, aber ich fahre schon seit 13 Jahren in dieser Stadt – da lernt man das schimpfen. Das erwarten die Leute sogar von den Droschkenfahrern.”
In dem Altbauviertel in der Innenstadt, direkt am Marktplatz, gibt es das beste Falafal, den frittierten Kichererbsenbrei mit Zwiebeln und Knoblauchsoße, gewissermaßen die Currywurst Arabiens. Der Imbiss heißt “Habibi”, “Liebling”, und die drei Herren vom Grill sehen aus wie Cousins, wahrscheinlich sind sie es auch: “Wir kommen alle aus dem Irak”, sagt der eine. “Aber wir sind schon vor dem ersten Golfkrieg in diese Stadt gekommen.”
In den Arbeitervierteln herrscht der Koran konservativer als auf den Boulevards: Frauen in Schleier und mit schwarzen Abayas. Cafés, in denen nur Herren sitzen bei Backgammon und Tee, an den Wänden Bilder von Mekka in Kitschfarben. Nur die jungen Männer stören die Frömmigkeit: Aus ihren neuen Golfs und alten BMW’s wummern die schnellen Tonfolgen des Arab-Pop, der auch nur von Mädchen und Liebe erzählt. In dem Viertel hinter dem ehemaligen Königspalast, wo in den früheren Scheunen jetzt Szene-Läden und In-Kneipen schummern, ist seit einiger Zeit die Wasserpfeife Mode. Sogar die Touristen aus Amerika, Stuttgart und Paris dampfen mit Apfel- oder Erdbeergeschmack vor sich hin.
Weiter westlich, In der Lobby vom Hotel Kempinski, sitzt ein Scheich, trinkt Tee und lauscht dem deutschen Mann ihm gegenüber, der einen geöffneten Aktenkoffer auf den Knien balanciert und unermüdlich redet. Es geht um Immobilien. Der Scheich schweigt, nickt ab und zu oder wischt das rot karierte Kopftuch zur Seite, sortiert sein weißes Gewand. In der Einkaufspassage bedient mich Fatima, ihre Eltern sind vor 20 Jahren aus dem Libanon gekommen. “Diese Stadt ist meine Heimat, voll!” sagt sie.
Falafel in Schöneberg, ein Spaziergang durch Moabit, eine Wasserpfeife in Mitte, Tee am Kudamm, Hemdenkauf am Potsdamer Platz – es war eine schöne Woche in Berlin! Morgen geht’s wieder nach Arabien.
Quelle:
“1001 Deal. Erfolgreich in Dubai – ein Blick hinter die Kulissen der Glitzerwelt am Golf” BörsenbuchVerlag



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