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Iris20 Jahre Mauerfall – earthTV looks back

written by Iris on November 9th, 2009, 10:34  |  I like this! (30)   Share

Iris, geboren in der BRD

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, historisch und damit wichtig genug, haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen – und haben aus dem deutsch-deutschen und internationalen (!) Erfahrungsschatz der earthTV-MitarbeiterInnen geschöpft. Wenn nicht hier, wo sonst!? ;-)
Bei uns VEREINEN sich nicht nur die Geschlechter, sondern auch die Generationen aus den verschiedensten Nationen. Die Fragen, die wir uns zu diesem Ereignis gestellt haben, lauteten folgendermaßen:
Wo waren wir vor 20 Jahren, als die Mauer endlich fiel, was hat das für uns auch persönlich bedeutet, und wie stehen wir heute dazu?

Es war wundervoll, Eure Erlebnisse und Geschichten zu lesen, und wir freuen uns sehr, dass wir so viele Beiträge sammeln konnten!
Es ist beeindruckend, welche Reaktionen der Mauerfall in anderen Ländern hervorgerufen hat. Nicht nur Deutschland wächst seit diesem Tag (weiter) zusammen.
Und ich finde, dass diese Aktion auch noch etwas zeigt: earthTV verbindet.

Hier können alle Beiträge zum Thema „20 Jahre Mauerfall“ gelesen werden – weitere Kommentare/Gedanken/Geschichten erwünscht!

Gaby, geboren in Argentinien

Ich glaub´, ich war 11 Jahre alt, als die Mauer fiel… damals lebte ich noch in Argentinien, denn ich lebe erst seit 7 Jahren in Deutschland.
Ich war immer sehr verbunden mit Deutschland, da die ganze Familie meines Vaters dort lebte…aber nie habe ich diese Verbundenheit so deutlich gespürt wie damals, als die Mauer fiel.
Ich war in einer deutschen Schule und man spürte überall in den Gängen so ein Gefühl von Vorfreude. Ich erinnere mich, dass die ganze Zeit im Erdkunde-Saal ein Film über die Geschichte der Mauer lief… Ich sah mir das an und irgendwie kam mir alles so surreal vor: Was? Eine Mauer, die plötzlich ein Land trennt…wie geht das?? Was?? War das überhaupt erlaubt??… In meinem Alter und in so einem fernen Land war mir das unbegreiflich!!…
Als der Film zu Ende war und die Lichter im Saal wieder angingen, hatte ich Tränen in den Augen!!
An diesen Abend durfte ich zum ersten Mal nach Mitternacht wach bleiben, um das Pink- Floyd-Konzert an der Mauer zu sehen. Am nächsten Tag versammelten sich alle deutschen Schulen zu einem offiziellen Akt auf der Plaza Alemania im Zentrum von Buenos Aires.
Einen Monat später kam mein Onkel aus Deutschland mit zwei bemalten Mauerstücken, die er selber aus der Mauer geschlagen hatte. Die stehen heute noch in unserem Wohnzimmer in Buenos Aires!!

Andriy, geboren in der Ukraine

Also, ehrlich gesagt, kann ich mich nur sehr vage daran erinnern, wie es bei uns in der Ukraine im Fernsehen dargestellt wurde – vielleicht waren wir zur damaligen Zeit viel zu sehr mit unseren eigenen Problemen beschäftigt, und tatsächlich: in knapp zwei Jahren nach dem Mauerfall war auch das größte Lande der Welt, die UdSSR, weg von der Weltkarte. Bei uns geschah nämlich genau das Gegenteil von dem, was die Deutschen erlebten: die „Große Trennung“ von „Bruder-Völkern“, die 70 Jahre lang dazu gezwungen wurden, „glücklich zusammen zu leben“, manchmal wider Willen. Auch die Haltung zum „großen Held“ der Wiedervereinigung, Michael Gorbatschow, was bei uns (bereits vor diesem Ereignis) eher negativ: Man warf ihm vor, er treibe sein eigenes Land in den Ruin und beschäftige sich zu viel mit den internationalen Problemen – klar, nur um die in seinem eigenen Land immer geringer werdende Beliebtheit im Ausland nachzuholen…

Lyn, born in Malaysia

To be honest, I was far too young to remember anything at that time when it happened. I was barely 6 then, building castles out of mud in Kuala Lumpur and wouldn’t have known what Berlin is, why there was a wall in the first place, or if Europe even existed.

I came to my senses as I got older: I first heard of the Berlin wall from my history classes; I have often regarded it as THE epitome of liberty that got me all excited to sign up for a history degree at the University of Nottingham! However I soon realized that modern history does not only evolve around the World War nor the Cold War – as the compulsory subjects I had to study included the not-so-interesting Balkan history which I personally thought was more confusing than interesting… nowhere close to the adrenaline-packed German history which spurred my intellectual interest in the first place.

There is no doubt that all the events that lead to the collapse of the Berlin wall was a steep uphill struggle for mankind; but in the very end it was a monumental triumph which testifies that freedom transcends borders. I believe in this.

Yes We Can!

Angelika, geboren in der BRD

1989 war für mich ein Jahr des Reisens. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs und Deutschland und seine politische Lage war mir nicht besonders nahe. Von Oktober bis Dezember 1989 war ich auf der Insel Mauritius. Dort habe ich mich dem süßen Nichtstun und dem Tauchen gewidmet und hatte eigentlich so gut wie keinen Kontakt zur Außenwelt.

In einem Hotel fand ich (es muss mittlerweile Ende November gewesen sein) eine alte „Spiegel“ Zeitschrift und las vom Mauerfall. Es erschien mir sehr unwirklich und ich konnte es auch kaum glauben.

Noch Jahre danach, wenn dieses unglaubliche Ereignis gefeiert wurde, lies es mich merkwürdig unberührt. Da ich ein emotionaler Mensch bin, konnte ich gar nicht verstehen, warum mir das nicht näher ging. Aber natürlich hatte es damit zu tun, dass ich damals nicht „live“ dabei war, also keine emotionale Erinnerung an dieses Geschehen hatte.

Es zeigt übrigens auch, wie anders das Leben damals war. Heutzutage hätte ich meinen laptop dabei und wäre täglich über das weltweite Geschehen im Bilde, wäre ständig über facebook mit meinen Freunden in Kontakt und würde alle wichtigen (und auch unwichtigen) Dinge zeitnah erfahren.

Aber Zeitgeschichte schreibt sich auch ohne dass man davon weiß. Das ist doch beruhigend zu wissen. Vielleicht würden wir auch manchmal entspannter leben, wenn wir nicht ständig alles wüssten… Vielleicht ein komischer Gedanke zu einem so positiven Geschehen wie dem Mauerfall… aber mal so grundsätzlich gesehen… vielleicht eine Überlegung wert, den Computer und die Glotze nicht ständig anzuhaben.

Stefanie, geboren in der BRD

Denk-mäler
Gerade erst war ich anlässlich einer Tagung an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze in Helmstedt. In der Tagung ging es um ‚Zäsuren in der Zeitgeschichte’ und eine Zäsur war der Mauerfall wahrlich, nicht nur für Deutschland.
Auch nach 20 Jahren ist die Mauer und die dahinter stehende Idee für mich persönlich sehr beklemmend. Als wir im Rahmen der Tagung auch das Grenzdenkmal Hötensleben und den ehemaligen Grenzübergang Marienborn (heute die Gedenkstätte Deutsche Teilung) besuchten, hat mich das mit voller Breitseite erwischt. An der Mauer zu stehen und zu hören wie dieses ‚Bollwerk’ funktioniert hat, die riesige Anlage der sogenannten GÜSt (Grenzübergangsstelle) Marienborn mit ihrer PKW-Kontrollbox (in der viele Fluchversuche beendet wurden) und sogar einer Leichenhalle – die Realität kann doch gruseliger sein als jeder Horrorfilm. Ich kann jedem nur den Besuch eines solchen Grenzdenkmals empfehlen und besonders die ausgezeichnete Führung des Projekt Grenzenlos – lest we forget… und toll, dass die Mauer gefallen ist!

Mojgan, geboren im Iran

Ich war 15 und zu Hause. Zu meiner Zeit waren die Jugendlichen politisch sehr aktiv. Jeder kannte Marx und Engels und jeder wusste, was Totalitarismus, Marxismus und Leninismus bedeutete!
Wir haben auf unsere Art die Leute in der DDR sehr gut verstanden, wir wussten, was es heißt, wenn man etwas tun muss ohne davon überzeugt zu sein, und wir wussten, wie es ist, wenn man nur in einer Gesellschaft funktionieren muss. Aber was wir nicht wussten, dass die Mauer fallen würde!
Die Nachricht kam sehr kurz und knapp: “ Die Berliner Mauer ist gefallen“ – und das war´ s.
Ich war verwirrt und habe gedacht, dass ich mich verhört habe. Bis meine Freunde mich anriefen und schrien: „Die Berliner Mauer ist wirklich gefallen!“
Die auf VHS-Kassetten aufgenommenen Berichte über den Mauerfall waren nach 48 Stunden von Deutschland in den Iran geschmuggelt worden und wurden unter den Leuten – vor allem Studenten – verteilt. Sie haben heimlich gefeiert und wir Schüler haben auch an dieser Feier teilgenommen, wir haben Pink Floyd gesungen und sogar geweint. Wir waren glücklich, aber auch traurig, weil wir zugleich an unser Schicksal dachten! Wann werden wir unsere Freiheit feiern können!
Deutschland war an dem Tag das Vorbild für unzählige von uns im Iran. Ja, sie haben es geschafft! Und wer weiß vielleicht werden wir es auch eines Tages schaffen.

Wolfgang, geboren in der DDR

Als die Mauer fiel war ich noch zu jung, um die Bedeutung dieses Ereignisses zu erfassen.
Die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Geschichte begann für mich erst ca. 10 Jahre später mit meinem Umzug nach Berlin.
In keiner anderen Stadt kann man die Teilung Deutschlands und den zähen Prozess der Wiedervereinigung so erfassen wie in Berlin.
Neben all den historischen Plätzen und Museen zum Thema sind vor allem die Ansichten der Menschen, die am unmittelbarsten betroffen waren, höchst interessant.
Leider muss man sagen, dass die Mauer in den Köpfen weiter fortbesteht.
Auf der einen Seite die arroganten, schwarz-konservativen Westberliner, die teilweise Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer noch immer keinen Fuß in den Ostteil der Stadt gesetzt haben, auf der anderen Seite die dunkelroten aber genauso konservativen Ostberliner, welche zum großen Teil die Klischees über sie mehr als erfüllen und permanent über die kapitalistischen Besser-Wessis herziehen.
Mit der Zeit kann einem dieser andauernde Kampf Ost gegen West ganz schön auf den Keks gehen. Ob er jemals enden wird?

Tanja G., geboren in der BRD

Als die Mauer fiel, war ich gerade mal 10 Jahre alt, und ich habe mich damals offen gestanden mehr für Pferde als für Politik interessiert… :-)
Da ich aber immer mit meinen Eltern die „Tagesschau“ gucken durfte, habe ich natürlich trotzdem mitbekommen, was da vor sich ging, auch wenn mir Ausmaß und Bedeutung der Ereignisse damals sicher nicht wirklich bewusst waren. Davor habe ich auch nie verstanden, warum es zwei deutsche Staaten gibt, von denen die Bewohner des einen alles und die des anderen aus meiner Sicht nur sehr wenig durften…
Umso mehr freute es mich zu sehen, wie die ersten DDR-Bürger in die BRD einreisten und wie glücklich sie darüber waren. An ein Interview erinnere ich mich heute noch. Ein Reporter fragte einen Neuankömmling, was er denn nun mit seinem Begrüßungsgeld kaufen wolle, worauf dieser in breitestem Sächsisch antwortete: „Ne Reise nach Mallorca, nen Golf GTI und Marlboro!“
Ach ja, und diesen Song werde ich übrigens auf ewig mit den Ereignissen im Herbst 1989 verbinden.

Tanja M., geboren in der BRD

Ich gehöre zu der Generation, die den Mauerfall nicht bewusst mitbekommen hat. Gerne würde ich schreiben, dass ich vor Ort war und mit meinen eigenen Händen geholfen habe, dieses Unding einzureißen, aber im Kindergartenalter und noch dazu am anderen Ende des Landes war das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich kenne die Bilder aus dem Fernsehen, ich habe mich intensiv mit der Geschichte beschäftigt, aber ich kann mich selbst leider nicht daran erinnern.

Trotzdem bin ich froh, dass die Mauer weg ist – sonst hätte ich eine meiner heute besten Freundinnen wahrscheinlich nie im Studium kennengelernt, sonst wäre es wahrscheinlich viel schwieriger, Berlin, Leipzig und Dresden einen Besuch abzustatten und überhaupt wäre Deutschland ganz anders. Und wer weiß schon, wie sich der Kalte Krieg entwickelt hätte, wenn die Mauer nicht gefallen wäre? Ich glaube, das will heute keiner wissen.

Ralf, geboren in der BRD

Meine Erinnerung zum Mauerfall ist natürlich schon etwas getrübt, da ich als MID-Teenager die Bedeutung des Ereignises nicht wirklich einschätzen konnte. Da mein Vater allerdings Berliner ist, war ich vor dem Mauerfall einige Male in Berlin und habe öfters die mühsame und außergewöhnliche Reise durch die ehemalige DDR mitgemacht. Ich kann mich gut daran erinnern, wie wir mit unserem damaligen VW PASSAT an der Grenze zur DDR standen und von Grenzbeamten mit Maschinengewehren genau gemustert wurden. Mir als Kind, kam das damals schon alles ein wenig „verdächtig“ vor und vielleicht hatte ich sogar ein wenig Angst vor den „bösen“ Soldaten.

Nach der Grenze ging es dann auf die DDR-Autobahn die sich mit ihrem „DUM-DUM — DUM DUM – Fugengeräusch“ tief in meine Gedächtnis brannte. Kurz vor Berlin kam dann die Ausreise aus der DDR und die Einreise nach Berlin. Ich glaube, es lag daran, dass mein Vater Berliner war, denn eigentlich war der Grenzübertritt immer recht einfach. An die Mauer direkt vor dem Brandenburger Tor kann ich mich auch noch erinnern und heute bin ich wirklich froh, dass dieses dunkle Kapitel in unserer Geschichte vorbei ist und wir wieder ein vereintes Deutschland und die „richtige Hauptstadt“ haben.

Aimo, geboren in der DDR

Meine Gedanken zum Mauerfall sind wohl eher Gedanken zur deutschen Wiedervereinigung an sich, für welche der Fall der Berliner Mauer sicherlich ein sehr wichtiger symbolischer Grundstein war.
20 Jahre ist es also nun her, 20 Jahre jünger war ich damals. Zu diesem Zeitpunkt selbst noch nie in Berlin gewesen, wusste ich natürlich dennoch, dass unsere DDR-Regierung von dort aus „funktionierte“. Dort saßen all die langweiligen alten Männer, die Politik machen und für die ich mir indirekt in aller Regelmäßigkeit auf Fahnenappellen die Beine in den Bauch stehen durfte.
Nun, vom Mauerfall selbst hab ich nur das Nötigste mitbekommen. Doch die Bilder dieser unzähligen DDR-Bürger, die bei Öffnung der Mauer wie von der Tarantel gestochen rüber nach West-Berlin stürmten, blieben mir aber natürlich sehr gut im Gedächtnis. Dennoch war mir persönlich der Brennpunkt Berlin beinahe schon egal, da ich als Kind das große Ganze sah, welches da auf mich zukommen würde. Endlich Westspielsachen, Westschokolade oder Westfedermappen! Und das hoffentlich bald, auch hier bei uns in der Thüringer Provinz… :-)
Ich sehnte mir eine Wiedervereinigung Deutschlands also zu diesem Zeitpunkt ganz naiv aus rein materiellen Gründen herbei, weniger aus dem Überdruss heraus, den viele meiner älteren Landsleute gegenüber dem alten Regime entwickelten.
Ich, als kleiner Ost-Berliner, wäre also mit höchster Wahrscheinlichkeit erstmal schnurstracks zum nächstbesten Spielzeugladen geflitzt, nachdem das erste Mauersegment ausgehoben wurde.
Doch ich war weit weg in der Thüringer Provinz, wo ich alles ganz gemächlich auf mich zukommen lassen konnte. Und ebenso weit weg davon, wirklich vollends zu verstehen, was da im Detail geschieht und noch auf uns zukommen würde.
Hält man sich heute vor Augen, die Bewohner einer einzigen Stadt nicht nur in zwei Nationen, sondern auch in zwei gegensätzliche Gesellschaftsformen oder regelrecht Welten zu teilen, und dieser Zustand auch noch mehr als zwei Jahrzehnte anhält, dann kann man heute nur noch aus lauter Unverständnis den Kopf schütteln. Und auch wenn das deutsche Volk nie wieder in der Form zusammengefunden hat wie vor der Teilung und wir seitdem Stagnation auf hohem Niveau betreiben, so ist es dennoch schön, wieder vereinigt zu sein.
Sonst könnte ich auch heute nicht hier sein…

Norbert, geboren in Ungarn

Ok, hier die Story:
Anfang Nov. 1989 sollte ich in die Mongolei fliegen und nur “Deckung” – also schöne Landschaftsbilder – für einen Sieben -Teiler, der schon für HollandDoc verkauft wurde, nachdrehen. Es fehlten noch ein paar coole Aufnahmen vom Rande der Gobi. Die ganze Expedition war schon abenteuerlich geplant, aber die Fliegerei hat es übertroffen, noch vor dem Anflug in Mandalgobi haben wir von Massenbewegungen aus “Honeckeria” aus dem Cockpitradio gehört.
Na ja, das wird die Politkomm-Polizei schon erledigen, irgendwie hatte ich das schon gehört (mein Kumpel wurde in Timishoara – Rumänien verkrüppelt). Dabei war unser Begleiter aus „Sowjet-landien“ sicher ein Hardliner aus Moskau, der nichts mehr zu sagen hatte in dem Moment, als er wusste, dass ich aus Deutschland komme und mir Nachrichten aus der DDR reinziehe.
Schlimmster Wintereinbruch seit Jahren! Die Aufnahmen zeigten keinen Herbst! Fliegen, nein, sorry, nicht möglich. 2 Meter Wasserkristalle auf der Piste. Jeden Morgen fahren wir mit dem mit Feuer vorgeheizten UAZ-Geländewagen zum einzigen Radioamateur in Mandalgobi, – schwacher Trost, Nachrichten-Vakuum für einen werdenden Kriegsberichterstatter.
Dann passierte es: “Es gibt eine REVOLUTION in Deutschland!”
Sorry, welches Land war das??
“Ich weiß es nicht, irgendein Kraut-Land!”
….. Da habe ich geflucht! Jetzt werden Panzer rollen, ungarische Variante?? Apropos Panzer: der Eispanzer hat sich gelöst! Und die Variable in Ungarn war anders!
Die ersten RICHTIGEN Nachrichten (allerdings erhalten in der Ex-Sowjetunion) – alles ist vorbei!!!
Es ist kaum zu glauben! Denen glaube ich niemals. Es ist wirklich passiert! Und ich dachte: Oh Gott, ich war nicht dabei!! Vielleicht schlagen die Bösen noch mal zu?!? Das muss ich aufnehmen! Keine Aufnahmen! Die einzigen, die mir wirklich was bedeutet hätten, habe ich nicht gemacht – und ich bin froh darüber, ist auch gut so! Zum Glück! Kein Blut!!!! Bravo, so machen das die zivilisierten Menschen, gratuliert mir, mein Team! Ja danke …. aber ich war nicht dabei! So wünsche ich mir das bei uns (Jugoslawien) auch! Na ja, wir schauen mal. Da war ich leider dabei.
Es blieb nur im Studio, alles was bis dahon im November passiert war, tausendmal durchsichten und sich einfach freuen!
Ich muss aber nicht unbedingt überall dabei sein.
Ach ja, und beim Grenzübergang, auf die pauschale Frage vom Grenzpolizisten “Wohin geht die Reise?” schlicht und einfach antworten: “Nach Deutschland” – nicht in welches von beiden!!
Danke!

Marco, geboren in der DDR

Reise ins Schlaraffenland
Man sah plötzlich Bilder vom Brandenburger Tor und jubelnden Massen im Fernsehen. Ich wusste nicht wirklich, was es damit auf sich hatte. Doch kurz darauf fand ich mich in unserem alten Wartburg in einem riesigen Stau wieder (kennt jemand den Film “Superstau”)? Es war die 30 km kurze Strecke von Plauen nach Hof, über die Grenze, die kurz zuvor noch streng bewacht wurde. Wir haben 8 Stunden gebraucht bis wir ankamen. Mit uns tausende anderer Menschen aus Sachsen, die alle zum ersten Mal in den Westen fahren wollten. Dort angekommen bot sich mir ein Schlaraffenland dar, alles war so ordentlich, modern, gepflegt. Die Leute winkten uns zu.
Als erstes stand dann der Weg zur Bank an, 100 Mark Begrüßungsgeld abholen. Danach ging es in den Supermarkt, “Meister-Kauf”, den gibts schon längst nicht mehr. Eine riiiiesige Halle für uns, alles voll mit Produkten. Wir kannten ja nur unseren Dorf-Konsum, im Westen als Tante-Emma-Laden bekannt. Und das Spielzeug, unglaublich! So viele “Matcher” (Matchbox-Autos)! Und funkgesteuerte Autos, bei uns hatten die ja alle noch Kabel dran. Und Überraschungseier! Es war das Paradies. Leider konnte ich ja nur eines der Autos mitnehmen. Zuhause hat man dann festgestellt, dass man sich für das Falsche entschieden hat. Das ferngesteuerte Auto konnte nur nach links lenken, so eine Enttäuschung! Ich hab dann wieder mit meinem kabelgesteuerten Wartburg gespielt. Aber man hatte ja auch noch den Solar(!)-Taschenrechner, den sich Papa mitnahm, und konnte sinnlos Zahlen zusammenrechnen, den ganzen Tag…

Hannelore, geboren in der BRD

Als ich im Fernsehen vom Fall der Mauer Kenntnis bekam war ich emotional so betroffen, dass ich vor Freude weinen musste. Obwohl ich mich nicht für Politik interessierte, war dieser Moment doch eines der wichtigsten Ereignisse in meinem Leben. Wir freuten uns mit den Menschen aus der ehemaligen DDR.
Wir haben inzwischen viele Teile der ehemaligen DDR bereist und uns über die schönen Städte und Landschaften gefreut und haben immer freundliche, aufgeschlossene Menschen getroffen. Einen Konflikt zwischen Ost und West konnten wir nicht feststellen.

Marcus, geboren in der BRD

Das Feindbild ist weg – nachdem die Mauer fiel – Pech für manche Ziwis

1989 – ich hatte gerade meine ersten 12 Monate Zivildienst erledigt. Weitere 8 standen vor der Tür. Damals gab es noch ein Feindbild – die Rote Armee. Für mich war die Überlebenschance als Soldat schlichtweg zu gering, wenn der Klassenfeind mit seiner Panzerarmada über die BRD rollen würde. Für diese lebenserhaltende Entscheidung wurde ich mit 5 Monaten mehr „Staatsdienst“ entschädigt.

Der Fall der Mauer war dann im Folgenden ein gravierendes Ereignis für meine persönliche Entwicklung. Denn der liebe Herr Stoltenberg (damaliger Verteidigungsminister) hatte sein Feindbild verloren. Und ihm fiel nichts Besseres ein, als die Wehrpflicht dramatisch zu kürzen. Die Konsequenz war dann, dass im Jahre 1990 plötzlich zu viele junge Ex-Soldaten und Ex-Zivis auf die Unis drängten. Meine scharf kalkulierte Wartezeit mit meinem durchschnittlichen Abi hätte geplant für mein Traumstudium „Wirtschaftsingenieur“, trotz Numerus Clausus, gereicht. Aus dem wurde nichts – ich war zu schlecht. Nein – es gab unplanmäßig zu viele, die besser waren. Eigentlich wären die erst ein Jahr später dran gewesen.

Herr Kohl und der liebe Herr Stoltenberg bekamen meinen Unmut per Post zu spüren – und ich deren Antwort: “…die Wiedervereinigung hat einen sehr großen Stellenwert… viele Menschen profitieren… wenige müssen Opfer bringen…“ – in diesem Moment passte mir meine politische Opferrolle überhaupt nicht. Ich war sauer auf den Mauerfall.

Da fragt man sich manchmal rückblickend – was wäre wohl passiert ohne den Mauerfall – Panzerarmada oder Dipl. Wirt.Ing.? Egal – ich freue mich auf das Fest in Berlin und werde es auf earthTV.com anschauen.

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Tags: Berlin, Brandenburger Tor, earthTV, Erinnerungen, Gedanken, Livestream, Mauerfall


This entry was posted on Monday, November 9th, 2009 at 10:34 am. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.



8 comments to “20 Jahre Mauerfall – earthTV looks back”


  1. Tanja says:

    Wow, ich bin ganz überwältigt von der großen Beteiligung. Sind wirklich sehr schöne Geschichten dabei – vor allem der internationale Aspekt ist sehr spannend. Danke für eure Beiträge!

  2. Stef says:
  3. Steffen says:

    So viele tolle Beiträge, da kann ich ja wohl nicht fehlen.
    Tja, wie hab ich den Mauerfall erlebt, … gute Frage,… ist ja nun nicht wirklich gestern gewesen!
    Es war auf jeden Fall ein einschneidenes Erlebnis gewesen, welches ich, damals als 23 jähriger “Ossi “, vor dem Fernseher erlebte.
    Ich wohnte also damals in der DDR, in Merseburg, für alle, denen das nix sagt, ist ein Ort in Sa.- Anhalt, größtes Chemiedreieck Halle/ Leuna/ Buna( Schkopau), 35 km westl. von Leipzig. Ja, also wie gesagt, hab es aus den Nachrichten erfahren, wobei sich so etwas ja schon irgendwie abgezeichnet hatte, ich meine damit die ” Flüchtlinge” in der Botschaft der CSSR, Ungarn,… . Aber, man wußte wirklich auch nicht genau , wie denn der “Große Bruder Sowjetunion” darauf reagiert, schicken sie vielleicht Panzer, geht es vielleicht blutig aus!?? Ist ja doch schon ein Wunder, dass die Montagsdemos in Leipzig friedlich verliefen, stand auch auf des Messers Schneide, hätte auch ganz anders laufen können.
    Mir lief jedenfalls ein kalter Schauer über den Rücken, hatte Gänsehaut, als Günter Schabowski am Donnerstag abend in der Pressekonferenz die uneingeschränkte Reisefreiheit für ” Ostdeutsche” und die Öffnung der Mauer bekannt gab. …Hatte ich da richtig gehört!??? Auf alles Sender (o.K., wir hatten ja offiziell nur Zwei, habe aber auch ARD & ZDF empfangen können, also 4 Sender) das Gleiche … es konnte also nur wahr sein, ich hatte keine Einbildung. Am nächsten Tag gab es nur ein Gesprächsthema, der Mauerfall, es brach eine Euferie aus, jeder wollte nur irgendwie in den “Goldenen Westen”, weil man dem Braten ja auch nicht wirklich traute. Vielleicht wird die Mauer ja auch wieder zu gemacht. Also ab nach Berlin, waren nur ca. 2 Std. mit dem Zug, denn Auto war ja nicht! Aber denkste, Züge waren nicht nur überrvoll, sondern zum zerbersten voll, kein rein & kein raus, Menschenmassen wo man nur schaute, Planänderung, wie fahren ein paar Tage später, wenn es dann noch geht! Und siehe da, es ging noch, Menschenmassen nach wie vor, aber man wurde nicht zu Tode getrampelt. Angekommen in Berlin erhielt ich dann mein erstes, eigenes ” Westgeld”, wußte ja noch nicht einmal, wie das Geld aussah, kannte auch nur die “Forumchecks” vom Aussehen für den Intershop im Ossiland. Für alle diejenigen, der Intershop war ein Laden, wo man Artikel aus dem ” Imperialistischem Ausland :-)” gegen harte Währung, also D- Mark, oder halt die genannten Forumschecks ( getauschtes Ostgeld) erwerben konnte.
    Tja, und was tat ich mit meinem ersten Geld!?? Ich kaufte, nein nein, nicht wie der Eine oder Andere jetzt vermutet, Bananen :-), sondern ein tragbares Radiodoppelkassettenrekorder und stolz war ich …

  4. Robin says:

    Bevor der 9. November nun ganz vorbei ist, möchte ich mich dann doch noch schnell zu Wort melden – schließlich gibt’s ja mit mir nen kleinen Ostberliner “direkt von der Front” :-) Ja, tatsächlich habe ich mit meinem damaligen Zuhause an der Stralauer Allee direkt an der Spree und somit direkt an der Berliner Mauer gewohnt.
    Nunja, wenn ich ehrlich sein soll, lag der kleine Robin gegen 23 Uhr schon im Bett, schließlich war er ja auch erst 10 Jahre alt. Aber an den nächsten Morgen kann er sich noch erinnern, als wäre es gestern:
    Meine Eltern kamen in unser Kinderzimmer und weckten uns mit der Neuigkeit “Die Mauer ist auf!”. Sie hatten es am Abend von meiner Tante erfahren und sich mit ihr zusammen auf den Weg nach West-Berlin gemacht. Da ja niemand wissen konnte, was an der Grenze wirklich los war, ob gefährlich oder nicht, hatten sie sich entschlossen, uns Jungs über Nacht allein zu lassen – ich glaub, das war bis dahin das erste Mal, dass unsere sonst so ängstlichen Eltern uns alleine ließen!
    Jedenfalls fühlten sie sich scheinbar “verpflichtet”, uns eine Art Beweis von ihrem nächtlichen Besuch zu liefern und brachten uns von dem wenigen Westgeld, das sie zu dem Zeitpunkt bei sich hatten, eine Packung Haribos und eine BZ (Berliner Zeitung) mit, auf der in riesigen Lettern die frohe Nachricht stand :-)
    Und “in den Westen” ging es dann schon am nächsten Tag, am 11.11. über den Grenzübergang Oberbaumbrücke bei uns “um die Ecke”. Tausende Menschen quälten sich mit uns über den viel zu kleinen Übergang, der von viel zu hilflosen und überforderten Grenzsoldaten gar nicht mehr wirklich kontrolliert werden konnte!
    Aufregend war es, aber auch komisch, waren wir doch gleich in Berlin-Kreuzberg gelandet! Also musste ich mich, das sozialistische Einheitsgrau gewöhnt, erst einmal an all das Schrille und Bunte, aber auch an Grafittis und Waffenläden gewöhnen, keine leichte Aufgabe!

    Nunja, für mich war es eine ganz besonders spannende Zeit, die dann folgte und ich denke, wir alle können froh sein, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist!!!

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  1. Das Feindbild ist weg - nachdem die Mauer fiel - Pech für manche Ziwis | earthTV blog |
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